Trainingstipps

Über Angst und Angststörungen beim Pferd

Im Zuge meiner Ausbildung zum Pferdeverhaltenstherapeuten war ich „gezwungen“ eine Facharbeit zu schreiben. Ich schreibe bewusst „gezwungen“, weil ich sofort eine Idee im Kopf hatte, für die ich schon lange brenne. Auf meinem Werdegang sind mir vor allem immer wieder die Pferde begegnet, die aufgrund ihres starken Angstverhaltens als gefährlich und nutzlos galten. Die Lösungen für dieses Problem waren dabei so unterschiedlich und vielseitig, dass gleich klar stand: das wird mein Thema!

Wenn es doch nur immer bei einem kurzen Schreckmoment wie diesem bliebe… Eine Katze springt im Hintergrund vom Zaun und führt dazu, dass Holly ein paar Galoppsprünge davon macht.

Normalerweise würde ich an dieser Stelle noch ein wenig ins Detail gehen, allerdings habe ich mich stattdessen dazu entschieden meine Arbeit hier als PDF zum Download zur Verfügung zu stellen. Ich bemühe mich in der Arbeit darum einerseits Verständnis dafür zu schaffen, was dazu führen kann, dass ein Pferd Angst hat bzw. als besonders ängstlich gilt, andererseits darum Therapiemöglichkeiten und nach meiner Erfahrung erfolgreiche Trainingsansätze aufzuzeigen.

Dank gilt an dieser Stelle nicht nur meinen Eltern, deren Pensionsstall all den Bildern zu Ausdrucksverhalten und Pferdemimik als Location diente, sondern auch Kathi mit ihrem Pony Bonito, die zusammen mit unseren Pferden vor der Kamera standen. Und auch wenn sehr ausdrucksstarke Bilder entstanden sind, haben wir dabei immer darauf geachtet, keinem Pferd zu viel zuzumuten und gleichzeitig an ihrer Gelassenheit trainiert. Sodass wir meist nach 15 oder 20min eben kein „ängstliches“Bildmaterial bekamen.

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Abenteuer Gelände – mit jungen Pferden die Welt erkunden

Wir spulen einmal kurz zurück ins Jahr 2014, als mein Mann und ich unsere Semesterferien Zuhause im Allgäu verbrachten und nach einem Semester Beton und Großstadt das große Bedürfnis verspürten Natur zu tanken. Irgendwie hatte ich es schon in den Jahren zuvor geschafft Sven aufs Pferd zu bringen, aber diesen Sommer stand eine Premiere an: Ausritte! Auf unserer ersten Galoppstrecke zischte er mit meiner Haflingerstute laut Jauchzend an mir und dem Paint vorbei, den ich mir ausgeliehen hatte. Und von da an hatte er Blut geleckt, jahrelang hörte ich mir an, dass doch das Ausreiten das große Erstrebenswerte sei und er eines Tages auch ein Pferd haben wollen würde.

Und nun sechs Jahre später war es endlich soweit: er konnte endlich auf seinem eigenen Pferd ausreiten, das wir zusammen ausgebildet haben. Dabei sah die Sache Anfang des Jahres noch ganz anders aus. Rose geht nicht gerne alleine ins Gelände, die beiden haben auch durch Übung keine Routine bekommen können. Auch wenn wir letztes Jahr schon ein wenig draußen waren, von richtigen Abenteuertouren aber noch weit entfernt.

Ich selbst war nicht so scharf darauf ihn und Rose zu begleiten, im Nachhinein muss ich sagen, das war nicht besonders fair von mir. Mit Holly hatte ich zu viel Anderes zu tun, wir mussten erst Zuhause in paar Dinge zusammen lernen. Meine Haflingerstute ging die großen Runden altersbedingt nicht mehr. Mit Lou haben wir es versucht, aber da hat die Chemie zwischen beiden Pferden nicht so gestimmt. Und mit den Stallkollegen ging irgendwie auch nichts zusammen. Sven hatte das Thema Ausreiten eigentlich schon an den Nagel gehängt.

Doch Corona hat nicht nur ganz Deutschland durcheinander gebracht, sondern auch unsere Trainingspläne. Durch die viele Zeit, die wir im Frühjahr hatten, haben wir viele Punkte unserer Pferde Bucket List für 2020 schon abhaken können. Insbesondere Hollys Bodenarbeitstraining, sodass wir im Juni nur noch Gelände auf dem Schirm hatten. Holly geht sehr gerne die Welt erkunden, obwohl sie erst zwei Jahre alt ist, kann sich da so manches Pferd von ihrer Gelassenheit eine Scheibe abschneiden. Darauf musste ich nur erstmal kommen, denn unsere ersten Ausflüge außerhalb des Hofes waren zum Teil etwas chaotisch. Zumindest wenn wir von anderen Pferden begleitet wurden. Alleine war es viel besser!

Und trotzdem haben wir uns dann im Juni ganz spontan auf den Weg gemacht. Immer mit der Möglichkeit umzudrehen im Hinterkopf. Aus der Überlegung, dass Holly ja alleine so cool ist, haben wir sie voraus gehen lassen. Und schon nach ein paar Minuten kam Sven nicht mehr aus dem Schwärmen. Rose war ganz verändert und lief entspannt. Holly marschierte voraus, mit gespitzten Ohren und großer Neugier. Ich habe immer ein wenig Schwierigkeiten mit ihrem flotten aber entspannten Wohlfühltempo mitzuhalten.

Eine unseren ersten Touren zu zweit. Weil Rose so cool war konnte Sven nicht anders, als für 10 Minuten ohne Sattel und nur am Stallhalfter aufzusteigen. Beide Damen waren unglaublich brav.

Seitdem haben wir viele Touren unternommen. Sven reitet inzwischen an der kalifornischen Hackamore und mit seinem Reitpad. Das Pad ist eigentlich nichts für mehrstündige Touren, aber das macht nichts, Sven reitet meist nicht den ganzen Ausflug über sondern steigt immer wieder ab bzw. auf. Der Sattel zieht erst im Herbst ein. Aber es ist wieder ein Fall von aus der Not eine Tugend machen: Rose hat gelernt zum Aufsteigen ruhig zu stehen, auch im Gelände. Und Svens Reitersitz hat sich enorm verbessert. Er fühlt sich damit so wohl, dass auch schon einige Trabstrecken und ein paar Sprünge im Galopp möglich waren.

Holly und ich haben sehr viel Führtraining bekommen, das sich vor allem Zuhause sehr auszahlt. Zuhause drängelt sie viel weniger als noch im Frühjahr. Im Gelände drängelt sie manchmal noch ein wenig voraus, aber wir nehmen es sportlich. Ich habe nämlich im März angefangen an einem Trick zu arbeiten, von dem ich damals noch nicht wusste, dass er mir jetzt helfen würde: Rückwärts von hinten. Überholt sie mich jetzt im Gelände deutlich, halten wir an, ich gebe mein Handzeichen fürs Rückwärts gehen und sie parkt sich wieder neben mich. Außerdem spielen wir immer wieder mit der Führposition, probieren auch Mal Führen aus Distanz aus, quasi Führen aus der Longierposition. Geht auch! Und ist praktisch auf Wegen, die zum Beispiel einen dicken Wiesenstreifen in der Mitte haben.

Wichtig ist es beiden Pferden ihr Wohlfühltempo zu lassen bzw. immer wieder spielerisch daran zu arbeiten. Zum Beispiel indem Mal eins von beiden Pferde-Mensch Teams weiter weg ist. Oder eines trabt ein Stück, während die anderen weiter Schritt gehen. Auch Dinge wie kurz anhalten und von den Anderen wegtraben oder wieder zurücktraben haben wir geübt. Bei der Gelegenheit ist Sven und Rose auch der erste kleine Galopp „rausgerutscht“.

Mit einigen Stallkollegen waren wir auch schon unterwegs. Holly möchte trotzdem möglichst weit vorne, Rose möglichst weit hinten laufen. Es sind ihre bevorzugten Positionen in der Gruppe. Holly gibt die Führung nur dann ab, wenn ein Weg wirklich Mal etwas unübersichtlich wird. Rose sichert nach hinten, man sieht sie häufig ihre Ohren bzw. ihre Aufmerksamkeit nach hinten richten. Andererseits hat sie dadurch immer alle anderen Pferde im Blick und wenn die ruhig sind, kann sie auch ruhig bleiben. Stimmungsübertragung lautet das Stichwort!

Gefahrenquellen gab es natürlich trotzdem entlang unserer Wege. Holly hat ein Haushoher Stapel Baumstämme ganz aus dem Häuschen gebracht. Aber ich gehe damit einfach sehr bewusst um. Ich selbst laufe zwischen Gefahr und Pferd, gehe voraus und berühre die vermeintliche Gefahr, sage „Touch“. Wenn sich Holly damit beschäftigt und nicht versucht die Situation zu vermeiden lobe ich sie per Stimme und sie bekommt ein Leckerli. So haben wir das daheim schon immer gemacht.

Wenn Sven mir signalisiert, das Rose mit etwas Probleme hat, gehen Holly und ich auch hin und schauen uns das nach diesem Prinzip an. Oder wir gehen zumindest sehr viel langsamer an der Stelle vorbei. Rose schaut sich Hollys Verhalten gegenüber der potentiellen Gefahrenquelle ab. Typischer Gruselort für Rose, den wir damit gemeistert haben, ist eine Brücke, über die wir bei fast jeder Route gehen müssen, unter der ein kleiner Bach rauscht. Zuletzt konnten Sven und Rose sogar schon darüber reiten.

Mal geht Holly voraus…

Mal einer der mutigen Pony Onkels.

Am Verkehr entlang ging es auch schon. PKWs und LKWs sind keine große Sache, nur mit einem Traktor hatten wir erst eine nicht so schöne Begegnung, bei der der Traktorfahrer sehr knapp hinter uns bremste und dann so schnell wie möglich überholte. Uns ist bis aufs erschrecken aber nichts passiert. Leider ist es schwierig in unserer Umgebung, die Straßen ganz zu meiden, deshalb fühlt es sich gut an zu wissen, dass wir zur Not immer sicher an der Straße entlang gehen können.

Es wäre gelogen zu sagen, dass wir nie blöde Situationen haben. Ich denke darum geht es auch nicht im Geländetraining mit jungen Pferden. Besonders Holly hüpft ab und an noch Mal. Weil sie gestolpert ist, oder irgendwo ein Raubvogel aufgeflogen ist oder sie einen Schmetterling erlegt (true story, sowas hab ich noch nicht erlebt, aber dieses kleine Pferdchen hat den Schmetterling erlegt, als wäre es eine Raubkatze).

Es geht viel mehr darum gemeinsam Spaß zu haben und ich muss gute Laune und Sicherheit vermitteln. Bewusst ist mir das erst mit unseren anderen Begleitern geworden. Eine Stallfreundin sagte mir nämlich sie würde mich sehr dafür bewundern, wie cool ich Holly draußen zur Seite stehe. Vor Allem bei ihren kleinen Hüpfern, so ein buckelndes, zappliges Pferd an der Hand zu haben kann auch Mal unangenehm sein. Aber dieses Verhalten gilt nicht mir, sondern wird von Umweltfaktoren ausgelöst. Und die kann ich nunmal nicht kontrollieren, sondern nur lernen damit umzugehen. Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass Holly dadurch lernt, auch nach kurzen Aufregern schnell wieder in die Ruhe zu finden.

Pausen müssen auch Mal sein. Picknicks sind in Planung!
Rose und Sven teilen sich ihr Wasser brüderlich aus der Feldflasche.

Wenn es mir doch Mal zu viel wird, helfen Sven, Rose und unsere lieben Stallfreunde immer die Laune positiv zu halten. Und ich selbst lerne dadurch auch mich schnell wieder zu beruhigen, wenn mich Mal etwas wirklich stresst. Wie kann ich meinem Pferd denn auch sonst die charakterlichen Qualitäten vermitteln, die mir wichtig sind, wenn ich sie selbst nicht besitze? Und dafür sind Abenteuer da, um sich selbst besser kennen zu lernen. Und um mit Kafka zu schließen: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.


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Anreiten – Ideen und Wege

Seit Frühjahr 2018 darf ich meinen Mann mit seinem ersten Pferd begleiten: eine 2015 geborene Spanier-Quarter-Mix Stute mit Namen Rose. Als Rose letztes Jahr zu uns kam, war sie weitgehend roh. Nicht nur für meinen Mann, der zuvor vielleicht 20 Mal im Sattel saß, sondern auch für mich eine große Herausforderung. Wie kann man einem jungen Pferd ein guter Lehrer und Freund sein? Wie kann man ein Jungpferd fördern ohne es zu überfordern? Schließlich sind unsere Ansprüche an ein Freizeitpferd Dank sozialer Netzwerke und besser verfügbaren Wissen zur Ausbildung vielleicht höher denn je. Wie erhält man sich und dem pferdischen Grünschnabel also über den weiten Weg in den Sattel trotz Allem Motivation und Freude? Aus dem letzten Jahr fasse ich hier einige meiner Ideen zum Anreiten zusammen.

Rose war nicht das erste Jungpferd, das ich trainiert habe. Aber für meinen Mann war es das natürlich und er wollte unter keinen Umständen Fehler begehen. Eine Einstellung die ich in gewisser Weise bei allen Jungpferdebesitzern sehe und die immer für einen gewissen Druck bei allen Beteiligten sorgt. Deshalb, aber auch weil Rose Wachstumsmäßig eher ein Spätzünder ist, habe ich den beiden viele Monate Bodenarbeit verordnet, bevor es im Frühjahr 2019 in den Sattel ging. Die ersten 3-4 Monate waren gefüllt mit Führtraining und nachgeholtem FohlenABC. Zwischen Hufe geben, ordentlich am Putzplatz stehen und den Menschen am anderen Ende des Führseils beachten sind wir alle enger zusammengewachsen.

Ursprünglich hatte ich geplant diese Phase viel mit Freiarbeit zu verbringen. Rosies aufbrausender Charakter, zusammen mit einer stark ausgeprägten natürlichen Schiefe, die zur Folge hatte, dass sie jede Kurve nur tief über den Boden geneigt, wie ein Motorrad-Rennfahrer, nehmen konnte, haben mir da aber einen dicken Strich durch meine Rechnung gemacht. Stattdessen mussten wir viele Natural Horsemanship Grundübungen machen, bei denen sie lernte auf ihren Körper und auf den Menschen zu vertrauen. Begonnen haben wir mit Einheiten von 10min und uns über 6-8Wochen gesteigert auf 25min.

Longieren hatten wir im Frühsommer so langsam im Griff. Anfangs nur auf Natural Horsemanship Ebene im Schritt und Trab, dann mit zunehmendem Fokus auf ihre Biegung, damit sie lernte, ihren Körper zu biegen, statt in die Kurve zu legen. Dazu haben wir viel nach Babette Teschen gearbeitet. Meist durfte ich dazu die Grundlagen jeder Übung „installieren“, dann hat mein Mann übernommen. Denn was nützt einem der beste Beritt/das beste Training, wenn man mit seinem Pferd dann doch nicht alleine umgehen kann? Irgendwann kam auf diesem Wege der Galopp von ganz allein dazu und war auch kein Problem mehr.

Mein Grundsatz lautete in dieser Zeit „Das Pferd niemals in den Schweiß trainieren“. Was bringt das beste Muskeltraining, wenn mein Pferd mir den Dienst verweigert? Und wenn man bedenkt, wie viele Jahre Zusammenarbeit mit dem Menschen vor einem jungen Pferd noch liegen, wieso sollte ich diese Arbeit von Anfang an als einen Zwang bzw. als etwas unangenehmes etablieren?

Hand in Hand mit dem Longieren als Dialog ging dann auch die Gewöhnung an den Sattel. Angefangen haben wir aber nicht, wie ich es früher immer gemacht habe, direkt mit dem endgültigen Sattel. Stattdessen habe ich mich für ein günstiges Reitpad entschieden, es hätte auch ein Brockkamp oder Barefoot Reitpad werden können, sofern ich die damals schon besessen hätte. Vorteil am Billigteil vom Krämer war aber, das fiel uns erst später auf, dass ich daran Steigbügel befestigen konnte. Das erste Mal Training mit Reitpad war im Mai 2019, das Upgrade auf leichte (und laut klappernde!) Plastiksteigbügel kam Mitte Juli und war so unspektakulär, dass ich es selbst kaum glauben konnte.

Der erste richtige Sattel, ein sehr leichter Westernsattel den wir eigens zu dem Zweck gekauft und aufgearbeitet haben, kam dann Mitte August. Mein Mann war so euphorisch zu diesem Zeitpunkt, dass ich ihn mehrmals daran erinnern musste, dass wir vor dem Winter noch gar nicht reiten wollten. Aber mit dem Westernsattel kamen immerhin die ersten Aufstiegsversuche. Ich habe nach dem Prinzip Annäherung und Rückzug gearbeitet, einparken an der Aufstiegshilfe, immer nur kurz hoch, drüberhängen, wieder runter. Später in den Sattel setzen und sofort, oder eben dann wenn Rose sich entspannen konnte, runter. Mein Mann war da dann die treibende Kraft, dass wir dies doch schon vor der Winterpause gemacht haben.

Soweit so gut, aber: Rose wuchs über den Herbst stark (für ihre Verhältnisse) in die Breite. Wir haben unser Training ein wenig mehr auf Muskelaufbau ausgelegt. Es hieß also bald nach einem Sattel Ausschau zu halten, in dem dann auch die ersten Schritte unter dem Reiter stattfinden könnten. Während der Zeit haben wir mit dem Showmanship Training begonnen. Eine Westerndisziplin, bei der das Pferd lernt sich sehr präzise führen zu lassen. Einige Manöver wie das Setup (geschlossen aufstellen) und die Hinterhandwendung schulen auch die Balance, für Rose also eine super Vorbereitung auf das Reitpferdedasein. Außerdem gab es sehr viel Nachgiebigkeitstraining (Vorbereitung auf die Zügel). Denn wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, mit welcher Zäumung die ersten Reitversuche stattfinden sollten.

Ein Gebiss schied leider recht schnell aus, ich habe ein paar aus meinem Fundus durchprobiert, aber ohne bis dahin ein Passendes gefunden zu haben. Ein Sidepull oder Knotenhalfter war mir allerdings nicht sicher genug. Die ersten Reitversuche haben wir deshalb mit dem Equizaum unternommen, ein Multifunktionskappzaum. Die entscheidende Idee hatte dann mein Mann, der mit der altkalifornischen Reitweise liebäugelt. Wir entschieden uns für eine Hackamore (also Bosal und Mecate), weil es den Vorteil bietet, dass man zusätzlich zu den geschlossenen Zügeln auch noch einen Führstrick hat.

Bei uns im Stall kam das nicht nur gut an. Viele können mit dieser Zäumung aus Unwissenheit oder Halbwissen nichts anfangen, oder sagen sie sei grundsätzlich zu scharf. Man könnte das Pferd nicht so nachgiebig am Zügel haben, wie an einem Snaffle Bit. Ich muss aber sagen, wenn das Bosal gut angepasst ist und man in eine hochwertige Mecate investiert, ist die Hackamore ein super Werkzeug.

Im Januar hatten wir dann also ein paar Sättel zur Probe. Auf dem Favoriten hat mein Mann dann seine ersten Runden auf seinem eigenen Pferd gedreht. Etwas wackelig, aber konzentriert und willig hat seine Rose ihn über den verschneiten Reitplatz getragen. Ein paar Wochen später als der Winter uns weniger hart im Griff hatte, wurden aus den geführten Schrittrunden dann die ersten allein gerittenen Runden. Zwischendrin bin ich immer wieder Mal auch geritten, um Lenkung und Bremse zu justieren. Es war eine Freude, denn Rose hat tatsächlich alles, was wir am Boden geübt hatten, recht mühelos unter den Sattel übertragen können.

Jetzt ein halbes Jahr später, wird sie 1 bis maximal 2 Mal die Woche geritten. Ein paar erste Ausritte gab es auch schon, wobei die für sie vermutlich sogar entspannter sind. Denn geritten wird im Gelände nur immer Mal wieder, in 5-10 minütigen Intervallen, den Rest läuft der Zweibeiner eben mit. Noch ist es oft kein sportliches Reiten, aber wir tasten uns immer mehr dort hin. Das Beste ist für mich, dass man sich auf ihr immer wohl fühlen kann und sie niemals den Dienst verweigert, auch wenn ihr eine Sache schwer erscheint. Sie ist ein freundliches gelehriges Pferd geworden, das mit uns durch dick und dünn geht. In meinen Augen hat sich die extrem langsame Herangehensweise sehr gelohnt. Statt in den in vielen Ställen obligatorischen 3 Monaten, hat sie in 12 Monaten unter den Sattel gefunden. Mein Mann ist so sehr mit ihr zusammengewachsen, dass er inzwischen meinen liebsten Grundsatz nachempfinden kann: Harmonisches Reiten ist die Krönung einer guten Beziehung.